Allgemeine Zeitung: Dampflok-Besuch im Mainzer Hauptbahnhof

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Fotoquelle: fotocommunity.de, Ma.Fi.

Artikel von Michael Bermeitinger

MAINZ – Die Maschine ist schwarz, riesig, mit einem Kessel auf übermannshohen Rädern. Sie qualmt, dampft, und wenn der Dampf aus den Ventilen zischt und die Pumpen arbeiten, klingt es, als würde das Stahltier atmen – der Auftritt einer Dampflok ist ein Erlebnis und ein seltenes dazu. Aber am Sonntag haben die Mainzer mal wieder Gelegenheit, eine Dampflok zu bestaunen, wenn mittags ein Tourismus-Sonderzug mit Mainz-Besuchern im Hauptbahnhof eintrifft.

Kommen große Touristengruppen in aller Regel mit Bussen oder per Schiff nach Mainz, geht der Tourismusverband „Liebliches Taubertal“ bei seiner alljährlichen „Tagestour in attraktive Städte“ stets mit dem Dampfzug auf Reisen. Der historische Zug wird von der Deutschen Gesellschaft für Eisenbahngeschichte (DGEG) organisiert. Um 12.12 Uhr trifft der Zug aus Würzburg im Hauptbahnhof ein, bevor er um 16.23 Uhr Mainz wieder verlässt. Für alle, die die Maschine auf freier Strecke fotografieren wollen: Weil die Dampflok wegen der Brandmeldeanlage die Tunnel nicht befahren darf, kommt der Zug nicht über die Südbrücke, sondern über Kastel und die Kaiserbrücke von Norden in den Mainzer Bahnhof, rollt auf Gleis 4 ein, ist also auch von der Alicenbrücke zu sehen.

Anschließend wird die Lok mit Wasser und Kohle versorgt, wo genau ist aber noch nicht ganz klar. Da die Maschine für die Rückfahrt gedreht werden muss, es in Mainz aber seit Jahrzehnten keine Drehscheibe mehr gibt, unternimmt sie später eine Dreiecksfahrt über Kaiserbrücke und Wiesbaden Ost, um wieder mit Kessel voraus vor dem Zug zu stehen.

Eigentlich sollte die Maschine 23 058 den Zug ziehen, die vor 60 Jahren mehrere Jahre in Mainz stationiert war, doch nach einem Defekt kommt die Schnellzuglok 01 519 zum Einsatz. Die Maschine ist 81 Jahre alt, verblieb nach dem Krieg in der DDR, wo sie bis zu ihrer Außerdienststellung 1982 für die Reichsbahn fuhr. Sie wurde nicht verschrottet, sondern als mobiler Heizkessel für eine Brauerei eingesetzt.
Nach der Wende wurde sie neu aufgebaut und fährt seit 1995 für die Eisenbahnfreunde Zollernbahn, die dieses Kulturdenkmal mit viel ehrenamtlicher Arbeit am Leben erhalten. Allein die letzte Aufarbeitung kostete 400 000 Euro.

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